Allgemeines zum Comiczeichnen
Hier gebe ich eine kurze Einleitung, was beim Erstellen eines Comics zu beachten ist.
Beachte aber bitte, dass ich selbst kein professioneller Comiczeichner bin, sondern
mich lediglich etwas intensiver mit der Materie befasst habe, als sie nur zu lesen.
Um Comics zu zeichnen sollte man auch über gewisse Grundkenntnisse und
Grundfähigkeiten verfügen da man kaum von 0 auf 100 einsteigen kann.
Um diese Grundvoraussetzungen zu erlangen, empfehle ich dir meine Beiträge
zum zeichnen/ malen selbst und zum Menschen zeichnen.
Thema des Comics
Bevor man drauf los zeichnet, sollte man wissen worüber das Comic,
das man zeichnen möchte, eigentlich handeln soll.
Das Thema ist essentiell für die Spannung. Kaum einer möchte die Geschichte
eines "Lieschen Müllers" beim Einkaufen lesen (es sei denn, die Geschichte ist
dramatisch und spannend ausgekleidet).
Gute Beispiele für einzigartige Themen sind z.B. Asterix&Obelix (zur Zeit der alten
Römer), Lucky Luke (der strahlende Cowboy) oder Clever&Smart
(schusselige Geheimagenten).
Dass auch ein verhältnismäßig langweiliges Thema spannend erzählt werden kann,
beweisen Comics wie Garfield (gefräßige Katze) oder Willy Wacker (Faulpelz aus
Leidenschaft). In diesen Fällen bietet die Hauptfigur selbst die nötige Spannung.
Charaktere des Comics
Und da kommen wir auch gleich schon zum Träger der Comicgeschichte - die Charaktere.
Häufig werden Gegensätze (Asterix&Obelix = kleiner, fleißiger Held & dicker,
gefäßiger Raufbold) zusammen als Hauptcharaktere genommen.
Auch ärgern sich die Hauptcharaktere gerne gegenseitig (Clever&Smart = Fred Clever
als geistig "beschränkter" Verkleidungskünstler gegen Jeff Smart dem kühnen Logiker).
Doch man benötigt keine 2 oder mehr Helden um eine Geschichte interessant zu
gestalten. Oftmals wurde den Helden sonderbare und einzigartige Superkräft
zugeschrieben (Beispiel: Superman, Spiderman und Co.) wobei sie natürlich gleichzeitig eine entscheidene Schwäche bekommen haben (ansonsten dürfte ein Kampf gegen den
Helden uninteressant zu lesen sein).
Hat der Held keine Superkräfte, nutzt er seinen Verstand (z.B. Batman) um die
Schurken in ihre Schranken zu weisen.
Dann gibt es noch so genannte Antihelden. Sie kämpfen zwar für das Gleiche,
für das auch der Held kämpft, doch gehen sie dabei wesentlich skrupelloser und am
liebsten im Alleingang vor.
Gängige Charaktertypen
Helden
Überlegt vorab ob Ihr nur einen einzigen Haupthelden oder gleich eine Gruppe
von Helden nehmt. Denkt immer daran, dem Helden einen einmaligen,
unverwechselbaren Charakter zuzuschreiben, der ihn sympatisch macht.
Mögliche Charaktere können sein:
- Der Anführer/ Held = er ist die eigentliche Hauptfigur und führt seine Gruppe
von Mitstreitern an (wenn er eine hat). Er schmiedet die Pläne und leitet die Umsetzung - der Schlaumeier = er ist das Genie, denkt zuerst bevor er handelt und verhält
sich nahezu immer logisch - der Fresssack = ob dünn oder dick, er ist immer am essen - je ausgefallener
seine Leibspeisen (die natürlich zahlreich sind), desto skuriller - der Angsthase/ Naivling = verlässt sich lieber auf die Stärke und Hilfe seiner Freunde,
tut aber nie den ersten Schritt - der Außenseiter = er spielt eine Außenseiterrolle, wirkt dabei sehr seltsam und
zurückgezogen und grenzt sich in seinen Interessen und charakterlich von allen
anderen "Normalen" ab - der Antiheld = kämpft zwar für die gleiche Sache wie der Held, nimmt dabei
aber keine Rücksicht auf seine Mitmenschen und ist am liebsten auch
immer alleine unterwegs
Gegner
Am besten ist es, wenn man mehrere Gegner kreiert, die dem Helden das Leben
schwer machen (das bietet mehr Abwechslung und schafft die Möglichkeit, dass
diese sich sogar gegen den Helden verbünden können).
Ihre Motive sollten einleuchtend und ihre Fähigkeiten wenigstens dem Helden
ebenbürtig sein.
Dabei unterscheidet man verschiedene Gegnertypen:
- den Big-Boss = er steckt hinter all den Greultaten, beschäftigt gerne Handlanger,
die für ihn die Drecksarbeit machen und schmiedet finstere Pläne - der Befehlshaber = er ist dem Big-Boss unterstellt, scharrt aber wiederum Handlanger
um sich, die er herum kommandieren kann - die Handlanger = mehr oder minder fähig, versuchen sie alles die Befehle
ihrer Vorgesetzten zu befolgen
Besonders interessant wird ein Charakter, wenn er mehrere (vielleicht sogar
gegensätzliche) Merkmale in sich vereint.

Böse haben meistens dunkle Haare, Augen und Kleidung, wirken insgesamt düsterer
und haben einen entsprechend fiesen Gesichtsausdruck.
Gute haben meistens helle Haare, Kleidung und blaue Augen, wirken insgesamt
freundlicher und hilfsbereiter. Wenn sie mal schlecht drauf sind, sehen sie nie so
fies aus, wie es Böse täten.
Geschichte des Comics
Hat man seinen Charakter und seine Mitstreiter bzw. Widersacher erstellt,
so kann man anfangen sich eine Geschichte für seine Figuren auszudenken.
Als erstes sollte die Rahmengeschichte (die Informationen, die bei jedem Comic
immer gleich bleiben) erstellt werden. Da kommen Faktoren wie z.B.
was, wie, wo und wann in frage.
Dabei sollte man immer achten, welchen Effekt man erzielen will
(sprich das Genre des Comics).
Mögliche Genres (ähnlich einem Film):
- Komödie (Lustige Geschichte)
- Action/ Thriller
- Fantasy
- Romantik
- Alltägliches (man erzählt praktisch das "normale" Leben des Helden,
welches man natürlich mit einigen "Besonderheiten" ausschmückt) - Kombination
Hat man dies geklärt, schreibt man sich, unter Berücksichtigung der vorab
festgelegten Rahmenbedingungen, eine Geschichte.
Man sollte, bevor man anfängt zu zeichnen, grundsätzlich erst die Geschichte
vorliegen haben. So ist sicher gestellt, dass die Geschichte linear, in sich schlüssig
und nicht platt wirkt.
Sollte man selbst kein begabter Schreiberling sein, so findet sich sicherlich im
Bekannten- oder Verwandtenkreis jemand, der einem dabei behilflich sein kann.
Die Geschichte sollte wie eine Art Drehbuch geschrieben werden in der Charaktere
(nebst Beschreibung - soll das Aussehen nicht der "Standartdarstellung" entsprechen),
Schauplatz, Requisiten, Perspektive und Dialoge festgelegt sein sollten. So kann man
sich leicht daran orientieren und sich wirklich nur aufs reine Zeichnen konzentrieren.
Ort an dem das Ganze spielt
Der Ort ergibt sich aus der Geschichte in der natürlich Ortswechsel
vorkommen können. Dabei sollten Farbwahl, Schattierung, Requisiten (Möbel etc.)
und anwesende Personen berücksichtigt werden.
Der Ort kann durch die anwesenden Personen natürlich in seinem Aussehen
beeinflusst werden (Beispiel: jemand fällt einen Baum).
Um den Ort der Geschichte angemessen zu gestalten, muss man überlegen,
was den Ort ausmacht.
Beim Beispiel Astrerix&Obelix sind die Orte nicht nur dem Zeitalter, sondern auch
dem Volk angepasst (das gallische Dorf ist natürlich weitaus spartanischer
ausgestattet, als Rom).
Bebilderung
Es gibt mehrere Herangehensweisen ein Comic zu bebildern:
- Einige Künstler nehmen für jedes Bild ein eigenes Blatt Papier und fügen
diese später zusammen. - Andere zeichnen gleich mehrere Bilder auf ein Blatt.
Je nach Größe und Aufwand des Comics und der jeweiligen Bilder sucht man sich
die Methode, die dafür am besten geeignet ist.
Der Vorteil an der 1. Methode ist natürlich, dass ohne großen Aufwand einzelne
Bilder in der Mitte ergänzt, ersetzt oder geändert werden können. Die typischen
Rahmen oder auch Kästen zur Trennung der einzelnen Bilder empfehlen sich dabei
erst bei der Zusammenstellung zu zeichnen.


Wobei bei der 2. Methode alles nahezu vorab geplant und durchdacht sein muss,
da hier auch schon die Trennrahmen gezeichnet werden. Großartige Experimente
mit Perspektiven, Kontrasten oder Farben sind hierbei nur bedingt möglich.
Hat man alles mit Bleistift vorgezeichnet (was durchaus empfehlenswert ist),
zeichnet man die Konturen mit einem Tuschestift (alternativ auch einem Fineliner) vor.
Sind die Linien getrocknet, entfernt man vorsichtig die Bleistiftlinien mit einem
Radiergummi. Dannach kann coloriert werden.
Auch hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten:
- man kann farbige Tusche, Marker oder Wasserfarben verwenden
- man scannt die Zeichnung ein und coloriert sie am PC
- man coloriert sie mit anderen Farben (Buntstifte, Wachsmaler, Kreide,
Öl- oder Acrylfarben etc.) wobei dies am wenigsten zu empfehlen ist - oder man belässt die Zeichnung schwarz/weiß und ergänzt sie lediglich
um raffinierte Schattierungen mit dem Tuschestift/Fineliner
Wofür man sich auch entscheidet, man sollte berücksichtigen, dass die Bilder
später ein Comic ergeben sollen, welches eine Geschichte erzählt und Dialoge beinhaltet.
Texte
Die Texte sollten als letztes gesetzt werden.
Am besten ist es, man scannt seine fertigen Zeichnungen ein (wenn man sie nicht
am PC coloriert hat) und setzt dann die Bilder in der Reihenfolge und Größe zusammen,
wie man es haben möchte (wenn man alle Bilder einzeln gezeichnet hat).
Die meisten Bildbearbeitungsprogramme verfügen über Formen und Flächen, die
entweder eine Sprechblase bilden oder zu einer Sprechblase umfunktioniert werden
können. Man kann auch vorgefertigte Sprechblasen nehmen und in die Bilder einfügen.
Wichtig ist jedenfalls, dass der Text einen guten Untergrund bekommt, so dass er
ohne Mühe gelesen werden kann.
Auch die Reihenfolge des Dialoges innerhalb eines Bildes ist sehr wichtig, damit der
Leser weiß welche Figur welchen Satz zuerst spricht und welcher folgt. Dabei geht
man üblicherweise von links nach rechts und von oben nach unten.
Dann sollte man eine Schriftart wählen, die sich besonders gut lesen lässt.
Zu empfehlen wäre entweder Comic Sans (oder wieso sonst der Name ?) oder eine
Serifenschrift wie z.B. Georgia, Times New Roman, Times oder Serif. Diese lassen
sich in gedruckter Form am besten lesen.
Manchmal werden auch Schreibschriften eingesetzt um einem Comic eine
persönlichere Note zu verleihen. Meistens werden kurze Comicstrips in
Schreibschrift beschriftet. Da dort die Menge des Textes nicht so groß ist,
kann man es dem Leser zumuten eine ansich nicht wirklich gut lesbare
Schrift zu entziffern.
Soll das Comic nicht gedruckt werden, so kann man neben der Comic Sans
serifenlose Schriften wie Verdana oder Arial nehmen. Diese Schriften erleichtern
das Lesen am Bildschirm.
Man kann durch verändern der Schriftgröße und -gewicht (z.B. Fettdruck)
verschiedene Lautstärken bzw. Betonungen des Dialoges zum Ausdruck bringen.
Macht der abgebildete Charakter den Eindruck, dass er schreit, so sollte dafür eine große,
stark fette Schriftformatierung gewählt werden. Man kann allerdings auch Versalien
(Großbuchstaben) dafür verwenden um diesen Eindruck zu erzielen.
Soll der Charakter flüstern, formatiert man die Schrift sehr dünn und klein.
Auch die Laufweite (Abstand der Buchstaben zueinander) kann einen bestimmten
Eindruck vermitteln. Neben dem typischen "Pünktchen Pünktchen Pünktchen" wäre
dies eine Methode der Figur laaaaaaaangsaaaaaames Sprechen zuzuordnen.
