Gestaltungsgesetze
Hier einige der grundlegendsten Gestaltungsgesetze
zur ästhetischen Bildgestaltung.
Anhand dieser Regeln werden Bilder auch analysiert
und beschrieben (Bildanalyse).
Figur-Grund-Differenzierung
(Figur-Grund-Beziehung)

Das abgebildete Bild soll sich vom Hintergrund/
der Umgebung abheben, sodass man überhaupt
etwas erkennen kann. Die kleinere Fläche wird
meistens als Figur gesehen, die größere als Bildgrund.
Daher sollte dieser Aufbau eindeutig sein, damit
er vom Betrachter verstanden wird.
Gesetz der Nähe

Zusammengehörigkeit; alles was zusammen gehört oder
zu einer Gruppe zusammen geführt ist, ist zu erkennen.
Gesetz der Ähnlichkeit

Formen, die sich ähneln, werden auch als
eine Einheit wahrgenommen (Zusammengehörigkeit)
sie ähneln sich in Farbe, Form oder Größe
Gesetz der Geschlossenheit

Bei Formen oder Schrift denkt man sich den
fehlenden Teil, sodass es wieder eine Einheit bildet.
Wir vervollständigen alle Figuren
(z.B. wenn sie in den Anschnittgesetzt werden):
> dies muss allerdings erst von uns erlernt werden
> aus diesem Grunde kann man einzelne Buchstaben
auch gegen Symbole oder Formen austauschen und
das Wort wird dennoch verstanden.
Prägnanztendenz

Tendenz eine Hierarchie zu bilden, auch wenn diese
eigentlich nicht zwingend gegeben ist:
> Es kann nicht jedes Objekt im Vordergrund stehen
> meist wird das Untere als Vodergrund definiert
> Bei Fotos stellt man beispielsweise den
Vordergrund scharf und den Hintergrund unscharf.
Kontraste

Kontraste formen die Konturen eines Bildes und
bauen ein Bild auf, es ist also eines der wichtigsten
Gestaltungselemente.
Bei einer Kontrastverteilung von je einem Drittel hell,
mittel und dunkel wird das Bild als abwechslungsreich
und harmonisch empfunden.
Sind im Bild nur ein sehr heller bzw. dunkler Tonwert,
kann das Bild ebenfalls als reizvoll empfunden werden.
Besteht ein Bild aber nur aus Mitteltönen wirkt es oft
langweilig und kontrastarm.
Ist ein Bild überwiegend nur aus einem Tonwert aufgebaut
so ist es bei hellen Tönen ein High-Key und bei dunklen
Tönen ein Low-Key Motiv.
Informationswert

Dieser ergibt sich aus der Vielzahl der Bildelemente
und dem Grad der Komplexität. Dabei ist das Verhältnis
von neuen, unerwarteten und bekannten Elementen entscheidend.
Beides ist abhängig von unserer Erfahrung und unser
individuelles Wissen. Je weniger Elemente ein Bild beinhaltet,
desto schneller kann man es verstehen, je mehr Details ein
Bild hat, desto schwieriger wird es, es zu erfassen und wirkt
daher eher überladen.
Zuviele als auch zuwenig Bildelemente oder Neues im Bild
kann sich negativ auf den Betrachter auswirken.
Beispiel: Ein Labor wird von Laien als solches erkannt,
wenn (für den Laien) typische Instrumente vorhanden
sind und nicht nur inbekannte Elemente.
Beleuchtung

Sie ist neben den Kontrasten ein ebenso wichtiges
Gestaltungselement. (Fotografieren = zeichnen mit Licht)
Licht ist zum Großteil für einen räumlichen Eindruck eines
Bildes verantwortlich.
Diffuses, weiches Licht lässt ein Objekt flächig wirken;
gerichtetes, hartes Licht hebt die Objekte durch
Schattenbildung plastisch hervor und vermittelt Räumlichkeit.
Licht hat auch einen großen Anteil darauf wie die Stimmung
des Bildes wirkt; letztendlich ist es auch für Farben verantwortlich.
Gegenlicht und Seitenlicht

Hat man die Sonne im Rücken und fotografiert,
hat man recht flach ausgeleuchtete Bilder.
Dies stört bei Farbbildern zwar weniger, für Schwarz-Weiß
Bilder ist dies allerdings weniger vorteilhaft, da die
Tonwertkontraste eher gering ausfallen.

Will man dies vermeiden, muss man die Position etwas
verändern. Seitenlicht garantiert eine plastischere
Ausleuchtung eines Motivs (bei bunt und unbunt
Bildern zutreffend).
Augenperspektive/ Normalperspektive
(auch Zentralperspektive)

Objekte werden kleiner abgebildet, je weiter sie von
uns entfernt liegen. Bei der Zentralperspektive kommt
der räumliche Eindruck dadurch zu stande, dass das Objekt
mit dem Betrachter auf einer Ebene liegt.
Ein sich in der Ferne befindlicher Fluchtpunkt, auf den
alle Linien zustreben, vermittelt uns Räumlichkeit und Tiefe.
Objekte, die sich auf den Fluchtlinien Richtung Fluchtpunkt
bewegen, erscheinen uns kleiner.
Froschperspektive

Es ist für uns eine ungewöhnliche Perspektive
und erregt daher Aufmerksamkeit.
Man sollte allerdings eine bestimmte Grenze
nicht überschreiten, da eine allzu abstrakte
Darstellung beim Betrachter auf Ablehnung
treffen kann.
Aufgrund des tiefen Betrachterblickwinkels verschiebt sich
der Horizont und Fluchtpunkt Richtung Augenhöhe.
Objekte, die in Froschperspektive dargestellt werden,
werden optisch erhoben, überragend und können gar
erdrückend wirken (von oben herab).
Vogelperspektive

Dies ist ebenso eine für uns ungewöhnliche Perspektive.
Der Fluchtpunkt wird durch den erhöhten Betrachterblickwinkel
an den unteren Bildrand gedrückt.
Dadurch entsteht ein Eindruck von Bodenlosigkeit und fallende
Tiefe (wie bei Schluchten). Objekte wirken kleiner, unbedeutender
(der Betrachter wird in die Höhe erhoben).
Goldener Schnitt

Die gegenteilige Aufteilung von Symmetrie ist die
Asymmetrie. Diese wirkt lebendiger, harmonisch
und beinahe wie zufällig angeordnet.
Eine der meist genutzten ausgewogenen Asymmetrien
in der Bildaufteilung ist der Goldene Schnitt.
Das wichtigste Element eines Bildes liegt dabei je
um ein Drittel der Gesamthöhe und –breite des Bildes
links bzw. rechts vom Bildrand entfernt.
Totale Schärfe

Totale – sich über das gesamte Bild gleichmäßig
erstreckende – Schärfe hat einen entschiedenen
Einfluss auf die Bildwirkung.
Die Schärfe ist sowohl informativ als auch
unbestechlich, kann aber auch kalt und steril wirken.
Je nach gewünschter Bildaussage kann man
sie einsetzen. Kommt es auf den Informationsgehalt
eines Bildes an (z.B. Beschreibungen technischer
Geräte), ist totale Schärfe unerlässlich.
Allerdings kann man mit totaler Schärfe auch eine
eiskalte Winterlandschaft noch zusätzlich untermalen.

Winterlandschaft in totaler Schärfe

Winterlanschaft - das Bild im Vergleich mit Unschärfe
Selektive Schärfe

Das menschliche Auge erfasst an sich nur einen
Blickwinkel von etwa 1,5 Grad gestochen scharf.
Allerdings bewegt sich unser Auge ständig und
tastet unsere Umgebung ab, daher nehmen wir
ein weiteres Sichtfeld als scharf wahr.
Wir können also nicht unsere gesamte Umwelt
mit einem Blick komplett in aller Schärfe sehen,
daher ist ein entsprechend gestaltetes Bild mit
selektiver Schärfe (das Bild ist nur an einer
ausgewählten Stelle/ Ebene scharf)
besonders reizvoll zu betrachten.
Dadurch, dass man sich sozusagen das wichtigste
Element seines Bildes scharf stellt, stellt man es
optisch hervor und betont es zugleich; es wird
plastisch hervorgehoben.
Bewegungsunschärfe

Fotos oder andere Standbilder haben im
Gegensatz zum Bewegtbild keine direkte
Möglichkeit Bewegung zu verdeutlichen.
Allerdings kann man mittels Bewegungsunschärfe
eine Illusion von Bewegung hervorzaubern.
In der Fotografie erreicht man dies entweder
durch lange Verschlusszeiten, sodass ein unscharfes
Verwischen entsteht, oder man zieht die Kamera
in die Bewegungsrichtung mit um ein scharfes
Objekt vor verwischtem Hintergrund
zu erhalten.
In der Malerei kann man die Farbe entgegen gesetzt
zur Bewegungsrichtung entlang laufen lassen um einen
ähnlichen Effekt wie bei einem Foto zu erlangen.

Bei diesem Bild kann man die Bewegungsunschärfe besonders gut
bei den Radfahrern auf der linken Seite erkennen.
Beim Zeichnen kann man dies mit Aktionslinien andeuten.

Querformat

Setzt man für ein Motiv das richtige Bildformat
ein, kann die Stimmung erheblich beeinflusst werden.
Waagerechte Motive/ Bildelemente (Horizont)
werden durch ein extremes Querformat noch in
ihrer Wirkung unterstützt.
Je größer der Unterschied zwischen Bildhöhe
und Bildbreite, desto mehr Aufmerksamkeit
erregt das Bild.
Linien und Formen im Bild, die entgegengesetzt
laufen (im diesem Fall vertikale Linien) schwächen
die Wirkung allerdings wieder ab.
Ein in die Länge gezogenes Bildformat strahlt Ruhe und Weite aus.

Dieses Bild ist im "normalen" Querformat angelegt.
(Originales Bildformat)

Hier ein Beispiel eines extremen Querformates.
Quadratisches Format

Eines der variabelsten Bildformate ist neben
dem Rechteck, das Quadrat.
Aus ihm kann man nachträglich leicht ein hoch-
oder querformatiges Bild machen.
Das quadratische Bildformat ist mit seinen
gleichlangen Seiten spannungslos und statisch.
Allerdings kann ein gut gestalteter Bildinhalt
Dynamik und Spannung erzeugen.
Bildinhalt und Bildformat stehen in unmittelbarer
Wechselwirkung zueinander.

Hier das Beispielbild im quadratischen Bildformat.
Hochformat

Das Rechteck ist als Bildformat recht häufig vertreten.
Dabei sollte das Motiv entscheiden ob es ein Hochformat
oder doch ein Querformat werden soll.
Das Hochformat wirkt, im Gegensatz zum Querformat,
kraftvoll und aktiv.
Auch hier können extremere Seitenverhältnisse
die entsprechenden Formateigenschaften im Bild
noch unterstreichen.

Hier nochmal das Beispielbild im Hochformat.

Und hier nochmal im extremen Hochformat.
Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund

Für eine bessere räumliche Darstellung sollte
man sein Bild deutlich in Vordergrund, Mittelgrund
und Hintergrund trennen.
Ein typischer Aufbau wäre eine silhouettenhafte Andeutung
des Vordergrunds; welcher einer Figur im Mittelgrund Freiraum
lässt und den Handlungsort (Hintergrund) erkennen lässt.
Texturgradient

Durch wachsende Entfernung werden die Zwischenräume
zwischen gleich voneinander entfernten senkrechten oder
waagerechten Objekten immer kleiner, dies ist der
Texturgradient (Beispiel Strommasten entlang einer Landstraße).
Wir gehen davon aus, dass gleichwertige Objekte auch gleich
groß sind und können durch das kleiner werden dieser Objekte
Räumlichkeit wahrnehmen.
Silhouette

Aufgrund einer bestimmten Beleuchtung (Gegenlicht
und schwache Beleuchtung) kann eine Silhouettenwirkung
auftreten und sich die Konturen der Objekte von der
restlichen hellen Umgebung deutlich absetzen.
Dieser starke Kontrast und die geringen Tonwertabstufungen
können aber auch Schuld an einer geringen Detailwahrnehmung
eines Objektes sein.
Das hohe Kontrastgefälle sorgt allerdings auch für einen guten
Raumeindruck und kann die Figur-Grund-Beziehung fördern.
Luftperspektive

Auch die Luftperspektive ist ein Merkmal von
Weite und Räumlichkeit. Bei Landschaften verringert
bei zunehmender Entfernung der Kontrast
der gestaffelten Objekte aufgrund einer zunehmenden
Verblauung, welche durch dichter werdenden
atmosphärischen Dunst zustande kommt.
Je weiter ein Objekt ist, desto mehr geht es
in dem Blau des Himmels unter.
Flächigkeit

Wenn sich in einem Bild keine Räumlichkeit
wiederfindet, benötigt es andere Elemente um
interessant zu wirken.
Eine Fläche, als zweidimensionales Gebilde, wäre
solch ein Element. Außer dem Hell-Dunkel-Kontrast
und unterschiedlichen Farbtönen kann man auch
lineare Strukturen oder geometrische Formen einsetzen.
Linienführung

Auch die Linienführung innerhalb eines Bildes ist ein
wichtiges Gestaltungselement.
Die Aussage eines Bildes wird durch den jeweiligen
Linienverlauf variiert. Linien können verbinden oder trennen.
Eine gerade Linie wirkt eher statisch und starr, eine geknickte
oder gebogene Linie dagegen beschwingt und dynamisch.
Wenn Linien sich treffen können rechte Winkel, Quadrate,
Rechtecke, Dreiecke oder Vielecke entstehen.
Diese Linien müssen nicht immer sichtbar im Bild sein,
gedachte Linien verleihen einem Bild viel mehr Reiz.
Rechter Winkel

Wenn sich eine horizontale und vertikale Linie
treffen, entsteht ein Rechter Winkel.
Die horizontale Linie wirkt in der Regel statisch
und ruhig, wohingegen die vertikale Linie Dynamik
und Erregung ausstrahlt.
Die Wirkung der beiden ist also gegensätzlich.
Im rechten Winkel sind also beide Wirkungen
enthalten; er beinhaltet also eine halb statische
und halb dynamische Bedeutung.
Horizontale

Die Horizontale wirkt auf den Betrachter statisch
und passiv, allerdings kann sie auch Ruhe ausstrahlen
oder gar langweilig wirken.
Meistens ist es die Horizontlinie, die als Horizontale in
einem Bild vorkommt (daher auch der Name). Das Bild
wird in eine dunklere untere und hellere obere Hälfte
geschnitten, läuft die Horizontlinie genau in der Mitte des Bildes.
Solch eine Symmetrie wirkt konstruiert und langweilig.
Es empfiehlt sich eine Asymmetrische Aufteilung im
Verhältnis 1:3 oder 1:6 oder umgekehrt.
Vertikale

Sie strahlt Standhaftigkeit und Vitalität aus und wird als
aufstrebende Kraft empfunden. Allerdings sollte man mehrere
Vertikalen in einem Bild nicht direkt aufeinander, sondern
besser nebeneinander platzieren (Negativbeispiel eine Person,
der ein Telegrafenmast aus dem Kopf „wächst“).
Diagonale

Sie strahlt Bewegung und Fortstreben aus. Bei den meisten
Menschen des westlichen Kulturkreises wird die Diagonale
von links unten nach rechts oben aufgrund der gewohnten
Lese- und Schreibrichtung als positiv empfunden.
Die Gegendiagonale wird dagegen eher als negativ empfunden.
Gegendiagonale

Die meisten Menschen des westlichen Kulturkreises empfinden
die Gegendiagonale als fallende Bewegung und als Abstieg.
Kreis

Er ist eine in sich geschlossene Urform. Vom Mittelpunkt
her, hat er in alle Richtungen eine gleichmäßige Ausdehnung.
Seine Wirkung ist umhüllend und schützend (Vollkommenheit).
Als Oval verliert er seine zentrale Strenge und Ausgewogenheit.
Beim Oval überwiegt entweder die vertikale oder die horizontale
Ausrichtung und kann daher sowohl passiv und statisch als auch
aufstrebend und aktiv wirken.
Bogen

Diese symmetrische Figur hat einen verbindenden
Charakter wie beispielsweise bei einer Brücke.
Symmetrie

Symmetrie entsteht, wenn sich gleiche Bildelemente
wiederholen, sei es durch Reihung, Rotation oder
gespiegelter Anordnung.
Symmetrie strahlt Strenge, Klarheit und Ruhe aus und
ist leicht zu erfassen. Allerdings kann sie auch gelegentlich
langweilig wirken.
